Autor Thema: Familie im Stich lassen? Szenario Pandemie  (Gelesen 2287 mal)

Offline Legend

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Familie im Stich lassen? Szenario Pandemie
« am: 15. September 2016, 12:00:11 »
Arwed hat sich Gedanken gemacht und er hat Recht, vieles ist nicht planbar. Ich finde aber wichtig, sich damit auseinander zu setzen.

Ich versuche meine Frau und Kinder langsam an das Thema ranzuführen.
Einkochen tun wir schon zusammen, und den Kindern gefällt es auch immer mit in den Wald zu kommen, um Buchecker oder Nüsse zu sammeln.

Das die eigene Frau und Kinder mitmachen ist in meinen Augen Grundvoraussetzung. Das meinte ich aber nicht.  ;) Es geht mir auch nicht ums Einkochen oder in der Natur zu wandern, zu sammeln oder zelten zu gehen oder sonstige Aktivitäten. Das finde ich in der Jetzt-Zeit auch völlig normal, wichtig und gut!

Aber nehmen wir mal fiktiv eine hmm.. Pandemie an - wo Du mit deiner Frau und Kindern zu Hause bleiben willst für sagen wir 3 Wochen um das auszusitzen. Haben deine und ihre Eltern auch genug Vorräte und vor allem Wasser um diese Zeit zu schaffen? Eure Geschwister und Verwandte? Draußen gibt es Plünderungen, Tote und der Mob zieht durch die Stadt (wer jetzt an das Buch Guangxi Pandemie erinnert wird liegt richtig, lese ich gerade ;D ) Kannst Du dann zu Hause bleiben in dem Wissen, dass deine/ihre Eltern vermutlich nicht über die Runden kommen? Sie möglicherweise sterben? Oder würdest Du versuchen zu Ihnen zu gelangen mit deinen Vorräten um gemeinsam eine Lösung zu suchen? Oder würdest Du fliehen und deine Eltern/Geschwsiter einfach zurücklassen? Vielleicht habt ihr auch vorher noch telefoniert? Sie haben Dich um Hilfe gebeten. Was tust Du?

Diese und andere Fragen sollte man sich jetzt - ernsthaft! - stellen, um zu sehen, wie realistisch die eigene Planung ist. Natürlich sagt sich nach der Lektüre im Forum immer leicht "Prima, schaffe ich mir Vorräte an, dann ist alles gut". Solange keine SHTF Situation vorliegt klappt das auch ganz gut.  ;) Nur sind wir ja auch sozial verbunden mit vielen Menschen. Wie reagieren wir da?






« Letzte Änderung: 15. September 2016, 12:04:35 von Legend »

Offline Ambiorix

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Re: Familie im Stich lassen? Szenario Pandemie
« Antwort #1 am: 15. September 2016, 13:02:44 »
Da drückt dann wirklich der Schuh.
Bei mir wohnen zum Glück alle Verwandten im Umkreis von 15km, aber trotzdem ist das eine Zwickmühle.
Frau und Kinder haben erstmal Priorität. Die restliche Verwandschaft muss dann erstmal selbst klar kommen.
Sollte mich jemand um Hilfe bitten, denke ich auch das ich nicht Nein sagen könnte.
Aber das ist alles sehr hypothetisch.... wer weiß schon wie er dann wirklich reagiert?
Buen Vivir

Offline Arwed51

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Re: Familie im Stich lassen? Szenario Pandemie
« Antwort #2 am: 15. September 2016, 15:19:52 »
Da drückt dann wirklich der Schuh.
Bei mir wohnen zum Glück alle Verwandten im Umkreis von 15km, aber trotzdem ist das eine Zwickmühle.
Frau und Kinder haben erstmal Priorität. Die restliche Verwandschaft muss dann erstmal selbst klar kommen.
Sollte mich jemand um Hilfe bitten, denke ich auch das ich nicht Nein sagen könnte.
Aber das ist alles sehr hypothetisch.... wer weiß schon wie er dann wirklich reagiert?

Ich will jetzt nicht auf jeden Absatz von Legend antworten, aber er hat es sehr trefflich beschrieben was machen wenn es so kommt. Und da hacke ich bei Ambiorix ein.

Wir sollten erst mal Stadt und Land von einander trennen. Stadt ist in solch einem Fall höchst gefährlich, vor allem wenn es eng wird und das öffentliche leben zum Erliegen kommt. dann könnte ich mir gut vorstellen das Menschen auf der Suche nach Lebensmittel auch über ihr soziales Gewissen reagieren, und zur Bestie werden. Hunger und Durst kann einen Menschen zum Killer werden lassen, zumal die sozialen Bindungen in einer Stadt nicht so groß sind. jeder ist sich da am nächsten.

Anders sieht es auf dem Lande aus. Hier hat man doch noch eine gewisse Vorratshaltung, zumindest bei den älteren. Hier spielt auch der Platz keine Rolle für eine Vorratshaltung. man hat soziale Bindungen nicht nur zur Familie, sondern auch zum Nachbarn und anderen, wie in Vereinen verbunden ist. Hier hilft man sich so gut es geht. Auch viele neue Zugezogene haben sich in gewisser weise diesem Lebensstiel angeeignet. natürlich gibt es Ausnahmen, aber die werden spätestens dann merken das sie einen Fehler gemacht haben.

Kommen wir nun zu Ambiorix. 15 km ist immer noch eine Gewaltige Strecke. Es kommt darauf an wie man diese Strecke bewältigen kann. Auto, Motorrad, Fahrrad oder zu Fuß.
Wie kann man sich gegen Angriffe wehren, die einem die Sachen wegnehmen wollen die man mühsam für die Verwandten zusammengeklaubt hat. Und dann kommt es darauf an wie gut man mit der Verwandtschaft kann. Gab es vorher einen Streit und man redet nicht mehr miteinander, oder wie ist der Status der Verwandtschaft. Mutter, Vater, Geschwister. Oder ein Onkel den man nur einmal im Jahr zu Weihnachten sieht. Vielleicht auch das schwarze Schaf der Familie. Ist die Gefahr nicht zu groß seine Frau und Kinder allein Hause zu lassen um anderen zu helfen. Und was macht man wenn alles gut geklappt hat und man kommt nach Hause und deine Familie ist verschwunden und deine Wohnung verwüstet. Das sind alles heikle Fragen die nicht so leicht zu beantworten sind. Aber ich versuche es mal aus meiner Sicht.  Aber da ich noch nie in solch einer Situation gewesen bin kann ich nur das tun und mich darauf vorbereiten, was mein Verstand mir sagt das es das beste für mich und meine Familie ist.

Da ich keine Eltern mehr habe, nur noch einen Bruder, fällt mir es leichter das Thema anzugehen. Da Verwandtschaft über ganz Süddeutschland verteilt ist käme auch das nicht Infrage. In sofern kämen nur meine beiden Jungs und meine Freundin in Frage. Ich bin ja eher ein Typ vom "Mein Heim ist meine Burg", die ich nur in äußerer Not verlassen würde. Sollten meine beiden Kinder in Not geraten würde ich meine Freundin verlassen, aber nicht so das sie ohne Schutz zurückgelassen würde. Zum Glück hat sie selber drei Kinder und eine Menge Verwandtschaft in der Nähe, die ihr Beistehen würden. So bräuchte ich mir um sie keine Sorgen machen. Zudem haben wir eine enge Nachbarschaft wo schon mal ein oder zwei Personen abkömmlich sind.
Da nun meine Kinder fast 270 km von mir entfernt wohnen, könnte es durchaus sein das ich mein Ziel nie erreichen würde. Dann hätte dich das Thema preppen von selber erledigt. Sollte es klappen würde ich versuchen den selben Weg mit meinen Kindern zurückzulegen.
Ich habe ja noch einen Bruder, der aber die Strapazen nicht lebend überstehen würde, genau so wie seine Frau. Aber als alter Ostpreuße weiß er durchaus einen gefüllten Keller zu schätzen, ist eben ein Bauernkind, wenn auch in der Stadt lebend. Und seine Kinder wissen durchaus sich zu wehren. Da hab ich keine Sorgen das es denen schlecht gehen würde.
So ich denke das reicht erst mal dazu.
Die Zukunft gehört denen, die um sie kämpfen

Offline Anne

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Re: Familie im Stich lassen? Szenario Pandemie
« Antwort #3 am: 15. September 2016, 17:15:19 »


Stadt ist in solch einem Fall höchst gefährlich, vor allem wenn es eng wird und das öffentliche leben zum Erliegen kommt. dann könnte ich mir gut vorstellen das Menschen auf der Suche nach Lebensmittel auch über ihr soziales Gewissen reagieren, und zur Bestie werden. Hunger und Durst kann einen Menschen zum Killer werden lassen, zumal die sozialen Bindungen in einer Stadt nicht so groß sind. jeder ist sich da am nächste.


..........keine Sorgen machen.



Selbst wenn mein Kopf sich keine Sorgen machen möchte (mein Sohn ist 22 Jahre alt und wohnt in der Stadt) würde mein Mutterherz verrückt spielen.

Um zu mir zu gelangen müßte er ca. 280km zurücklegen und das ist bei Pandamie nicht zu empfehlen, siehe Dein Zitat oben.
Möglicherweise treten Ausgangssperren und Gebietsicherungen sehr schnell in Kraft.

Anne




Wir leben in einem Zeitalter in dem die überflüssigen Ideen überhand nehmen und die notwendigen Gedanken ausbleiben.
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Offline Legend

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Re: Familie im Stich lassen? Szenario Pandemie
« Antwort #4 am: 15. September 2016, 19:32:40 »
Danke Arwed!

Aber das ist alles sehr hypothetisch.... wer weiß schon wie er dann wirklich reagiert?

Niemand wirklich.  :) Dennoch finde ich das gedankliche, ernsthafte Beschäftigen mit dem Thema sinnvoll, wenn wir bei dem Thema Familie sind. So ist man etwas besser vorbereitet vielleicht.  Denn SHTF  ist eben nicht romantisch am Lagerfeuer sitzen und/oder sich den Bauch aus seinen Vorräten vollschlagen.  8)  Das erfordert auch unangenehme Entscheidungen.


Selbst wenn mein Kopf sich keine Sorgen machen möchte (mein Sohn ist 22 Jahre alt und wohnt in der Stadt) würde mein Mutterherz verrückt spielen.

Das trifft es ganz gut, danke. Die meisten haben Familie, wo man die Gefühle ja nicht abstellen kann.



Natürlich ist das alles nicht planbar, wie heißt es so schön "Der Mensch macht einen Plan. Das Schicksal/Gott lacht."  ;D

Legend




Offline bololo

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Re: Familie im Stich lassen? Szenario Pandemie
« Antwort #5 am: 27. März 2017, 03:36:41 »
Um auf das Thema zurückzukommen: Familie im Stich lassen in einer Pandemie.
Das erwähnte Buch kenne ich (noch) nicht.

--

Meine Eltern machen irgendwie Prepping light, also BOB und schätzungsweise 10 Tage Essensvorräte. Trinkwasser ist derzeit nur für 3 Tage vorhanden -.-
Ich denke in einer Pandemiesituation (meine Eltern und meine eigene Familie sind in verschiedenen Großstädten) ist das Hin- und Herreisen durch die Republik nicht unbedingt ratsam, insofern werden wir kaum die Wahl haben: jeder ist zunächst erstmal auf sich gestellt.

Sollte es aber zur Frage kommen Familie im Stich lassen oder nicht, so bezieht sich für mich die Frage auf die Eltern/Geschwister, denn meine eigene Familie im Stich zu lassen steht nicht zur Diskussion.
Sollte es also so kommen kollidieren in diesem Falle vermutlich zwei Interessen: Das meiner Eltern und das von uns:

Ich glaube, so wie ich meine Eltern kenne, würden die sich lieber selbst "opfern" als uns Kinder unnötig in Gefahr zu bringen. Und wenn es nur das Auflesen und Überbringen des Pandemievirus ist.
Für uns hingegen ist es jedoch undenkbar die Eltern im Stich zu lassen, sofern es andere Optionen und Alternativen gibt. Immerhin müssten wir im Fall der Fälle mit dem (Ge)Wissen weiterleben, nicht alles menschenmögliche versucht zu haben. Die Vorstellung alleine ist schon grausig.

Daher freue ich mich über kleine Erfolge meine Eltern zum preppen zu bewegen.
Hilfe zur Selbsthilfe vor allem in den Guten Zeiten ist meine Strategie.


Aber für den Krisenfall gilt auch:
Im Hier und Jetzt schreibt und philosophiert es sich leicht aber wenn es soweit ist könnte es auch ganz anders kommen und Entscheidungen ganz anders ausfallen.

LG
B
Lasst uns hoffen, dass all unsere Vorbereitungen sinnlos waren und das Szenario ausbleibt.

Abendrot

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Re: Familie im Stich lassen? Szenario Pandemie
« Antwort #6 am: 28. März 2017, 23:18:10 »
Ich glaube, so wie ich meine Eltern kenne, würden die sich lieber selbst "opfern" als uns Kinder unnötig in Gefahr zu bringen. Und wenn es nur das Auflesen und Überbringen des Pandemievirus ist.
Für uns hingegen ist es jedoch undenkbar die Eltern im Stich zu lassen, sofern es andere Optionen und Alternativen gibt. Immerhin müssten wir im Fall der Fälle mit dem (Ge)Wissen weiterleben, nicht alles menschenmögliche versucht zu haben. Die Vorstellung alleine ist schon grausig.

Du folgst der Programmierung tief in deinen Genen, genauso wie es deine Eltern tun. Dieses Verhalten hat sich offensichtlich in der Evolution bewährt. Ob unsere Vernunft, die es uns ermöglicht, von unserer genetischen Programmierung abzuweichen, in einer extremen Situation wirklich hilfreich ist, zeigt leider immer erst die ex-post-Analyse.

Für mich wäre es undenkbar, meine Chancen auf Kosten derer meiner Kinder zu verbessern, wenn es ums Ganze geht. Sage ich heute. Ich habe aber auch schon erlebt, dass Menschen, die man glaubt gut zu kennen, plötzlich irrational und sogar gänzlich unethisch handeln, wenn es ums eigene Leben geht.

Möge uns allen eine solche Entscheidung erspart bleiben.


Offline S.chwede

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Re: Familie im Stich lassen? Szenario Pandemie
« Antwort #7 am: 29. März 2017, 19:32:33 »
Ich würde, rational betrachtet, härter an die Ausgangssituation herangehen.
(Zugegebenermaßen muss ich allerdings gestehen, dass meine Eltern tot und meine Schwester ca. 500 km entfernt lebt und wir nur sporadischen Kontakt haben.)
- bringe ich mich in Gefahr? Welchen Nutzen bringt es meiner Familie, wenn ich Schaden erleide?
- Wasseraufbereitung, Konzentrierte Nahrung, Atemfilter, legale Verteidigung kosten heutzutage nicht mehr die Welt. Jedenfalls nicht für 2-3 Wochen.

Wenn mir dieses Thema nahe ginge, würde ich durch (ausgefallene!) Geschenke, Gespräche und Einfühlungsvermögen versuchen meinen nächsten Verwandten dieses Thema näher zu bringen und damit die / meine Spannung  diesbezüglich zu entschärfen.

Meinen Vater habe ich durch konsequente Nachrichtenerstattung / -Interpretation zumindest dahin gebracht einen Teil seines Sparbuchs in Edelmetalle umzuwandeln.
Und da steht weiter: »Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, daß sie erfahren sollen: Ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe.